ECRA Meeeting 2015, HU, Smiley ÖHR arrived Europe - wir sind Mitglied der ECRA
2.-4. Oktober 2015


ECRA Meeeting 2015, HU, Smiley Hurra, wir sind 50 - und seit 3.10.2015 ist die Österreichische Höhlenrettung Mitglied im europäischen Höhlenrettungsverband, der European Cave Rescue Association (ECRA).

Das diesjährige Meeting der ECRA fand von 2.-4.10.2015 im Mecsek Háza in Orfü / Ungarn statt. Etwa 40 Personen aus knapp 10 Ländern nahmen daran teil. Für Tagung und Nächtigung stand ein Gästehaus der ungarischen Höhlenforscher mit einigen Zimmern und einem komfortablen Matratzenlager zur Verfügung. Für gutes Essen war gesorgt und in den Pausen gab es vor dem Haus einen Stand für Kaffee und Getränke. Sonntags gab es frischgemachte Lángos zum Frühstück.

ECRA Meeeting 2015, HU Der Tagungsort Orfü selbst liegt an 2 Seen in einer bewaldeten Hügellandschaft, ca. 16 km nördlich der Stadt Pécs. Der kleinere See ist am Ostufer von einem wohlhabenderen Viertel gesäumt, mit kleinen, aber schmucken Villen. Das Gästehaus lag südöstlich dieses Sees knapp außerhalb der Ortschaft. Die Umgebung ist ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Mecsek Háza aus werden gut besuchte Touren in eine Höhle in der Nähe der Hütte angeboten. Der Ausblick von der Hütte lädt zum Innehalten und Relaxen ein.

"Wer ist die ECRA?" mag sich mancher Leser fragen. Die ECRA ist der europäische Höhlenrettungsverband - European Cave Rescue Association - mit Sitz in Slowenien. Sie fasst viele Nationen zwischen GB und Rumänien zusammen. Ziel ist die internationale Zusammenarbeit zu fördern, den Informationsaustausch zu intensivieren und die Einsatzmöglichkeiten abzustimmen, um rascher effizientere Einsätze zu ermöglichen. Um bestmögliche Vernetzung zu gewährleisten, werden mehrere Möglichkeiten angeboten - vom Beobachter über die assoziierte Mitgliedschaft bis zur Vollmitgliedschaft.

Die italienische Höhlenrettung CNSAS präsentierte ihre umfangreichen Erkenntnisse, Erfahrungen aus dem Riesending-Einsatz und die daraus entstandenen Neuentwicklungen zum Thema Biwak für Verletzte bzw. Retter, ergänzt durch eine ausführliche Materialschau der verschiedenen Mitgliedsländer.

Die Italiener haben ein neues Einsatzkonzept für Großeinsätze vorgestellt. Kernelement sind 2x18 Schleifsäcke. Sie enthalten vom Ersthilfematerial über Verpflegung bis zum Biwakmaterial für den Verletzen und die Rettungsmannschaft alles, um 3 Tage in beliebiger Tiefe völlig autark agieren zu können. Danach übernimmt die nächste 18-Mann-Gruppe. Neu ist auch ein simples Planensystem, das flexibel als Hängematte oder - durch Zusammenfügen - als Zelt für 1- 6 Personen genützt werden kann.

Am Samstag referierte der Kollege des British Cave Rescue Council (BCRC) zum Thema Gase in Höhlen (bad air / foul air). Es gab ausführliche Informationen zu den einschlägigen Gefahren, den erforderlichen Schutzmaßnahmen im Einsatzfall und höhlentauglichen Messgeräten. Wohl skurrilste Idee war der Einsatz eines "Höhlenkondoms" - ein überdimensionaler mit Pumpen aufgeblasener Plastiksack/Ballon, der den gasgefüllten Höhlenteil versiegelte und so gefahrloses Arbeiten im vorderen Bereich ermöglichte.

Ebenfalls von den Italienern wurde ein neues Kommunikationskonzept vorgestellt. Durch Kombination von drahtgebundener Technik und Digitaltechnik wurde eine kleine Videokonferenz zwischen Quartier, einer mehrere Kilometer entfernten Schauhöhle und einem Arzt in Italien abgehalten. Spontan wurde erstmals auch eine Email vom Handy aus in die Höhle gesendet. Anschließend besuchten die Tagungsteilnehmer die Station in der Schauhöhle, wobei die Station etwa 500-600m gewundener Wegstrecke vom Eingang entfernt lag.

Samstag am Abend wurde die Generalversammlung abgehalten, bei der neben Österreich auch die Höhlenrettung von Bosnien Herzegowina als Vollmitglied und der Verein für Höhlenkunde in München e.V./D als assoziiertes Mitglied aufgenommen worden sind. Kurz erklären konnten wir in dieser Runde auch die spezielle Situation in Österreich mit den beiden Höhlenrettungen. Mit Ende der Generalversammlung war der offizielle Teil der Tagung beendet. Der Abend klang gemütlich aus.

Am Sonntag früh besuchten wir unter kundiger Führung eine weitere Höhle, deren versperrter Eingang sich in einem temporären Bachbett schachtartig öffnete. Die meist schlufartigen Gänge führten schließlich in tieferliegende Teile, mit einigen Kammern und einer beachtlichen Tropfsteinformation. In den untersten Teilen wurde an einer Stelle Material von oben her eingeschwemmt, und es waren trotz völliger Finsternis (abgesehen von unserer temporären Beleuchtung) einige wenige Zentimeter hohe Pflänzchen bzw. Pilze zu sehen. Nach dieser Abschlusstour zerstreuten sich die Teilnehmer in alle Windrichtungen.

Bericht und Fotos: Kurt Dennstedt, Iris Koller, Andreas Glitzner

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