ECRA-Meeting 2018, Casola Valsenio / Italien
1. - 4. November 2018

Text? Das diesjährige ECRA-Meeting fand in der Emilia-Romagna in Italien statt. Etwa 2.500 Höhlenforscher fanden sich zum jährlichen Höhlenforschertreffen in Casola Valsenio, im Hinterland vom Imola, ein. Dies war eine gute Möglichkeit, den Europäischen Höhlenrettungsverband ECRA einer breiteren Höhlenforscheröffentlichkeit vorzustellen.

Pünktlich um 21:00 Uhr eröffnete der Präsidenten der ECRA, Dinko Novosel, am Donnerstag, den 1. November 2018 das diesjährige ECRA-Meeting. Nach einer kurzen Vorstellung der ECRA durch den Generalsekretär Kurt Dennstedt wurde eine italienisch-sprachige Dokumentation über den Riesending-Einsatz 2014 in Bayern gezeigt. Der Film, war bereits bei verschiedenen Filmfestivals zu sehen.

Die Veranstaltungen am Freitag und am Samstag reichten von Kommunikation über Schulung, Kooperation mit Behörden bis zur Technik in Theorie und Praxis. Medizin und Tauchen waren weitere Schwerpunkte.

Eine der ersten Präsentationen berichtete in einer internationalen Gemeinschaftsarbeit über die Informationsmanagement der ECRA während des Thailand-Einsatzes und stellte die gelebte Praxis beim CNSAS vor (Kurt Dennstedt / ECRA, Rosanna D'Arienzo / CNSAS CCD).

Maks Merela / Slowenien präsentierte die Erfahrungen am langen und mühsamen Weg der Zertifizierung im Rahmen des Europäischen Zivilschutzmechanismus. Sein Team absolvierte Ende Mai in der Frauenmauerhöhle den praktischen Teil der Zertifizierung mit einer Bergung aus einem tagfernen Höhenteil. Im zweiten Teil der Übung mussten sie den anderen Rettungseinheiten im Einsatztrainingszentrum in Eisenerz zu Hilfe eilen. Schwerpunkt der Gesamtübung war das Auffinden von hilfsbedürftigen Personen in Gebäuden, in alpinem Gelände, im Tunnel sowie in einer Höhle und der anschließenden technischen Rettung aus dem Gefahrenbereich inklusive der entsprechenden Versorgung. Die eingesetzten Teams mussten zumindest 36 Stunden durchgehend üben.

Die Mediziner berieten über die Zusammenarbeit mit der medizinischen Kommission der ICAR (International Commission for Alpine Rescue), das Vorgehen bei Ereignissen mit mehreren Verletzten und Erweiterungsmittel im Höhlenrettungseinsatz. Gemeinsam mit der technischen Kommission wurden der aktuelle Stand und die Möglichkeiten der Telemedizin erörtert. Mit Ermes 2.0, dem kombinierten Kommunikationssystem der Italiener ist heute schon Sprach - und Video-Kommunikation zwischen Außenstellen und dem Einsatzort in der Höhle möglich. Das System nützt alle technischen Möglichkeiten der Datenübertragung, vom Kabel bis Bluetooth. Auch erste Tests in Verbindung mit einer Tauchstrecke sind schon vielversprechend verlaufen. In naher Zukunft bereits zeichnet sich eine erste Ferndiagnose aus dem Spital heraus ab.

Die Techniker boten praktische Übungen zur Schachttechnik für jedermann an, also auch ungleich Höhlenretter. Insgesamt war der Trend in Richtung sparsameren Materialeinsatzes bei gleichbleibender Sicherheit zu bemerken. Auch der Umgang mit dem Portaledge wurde gezeigt. Viel Raum war dem Thema Kommunikation gewidmet, z.B. einem Untergrundvideo-System aus Slowenien und dem digitalen Datentransfer, ergänzt durch einen Workshop mit dem italienischen Kommunikationssystem Ermes 2.0. Des Weiteren wurde von den Italienern die bereits bekannte, auf Schleifsack-Format zerlegbare Trage vorgestellt. Die Firma Kong zeigte in einer Präsentation ihre Produkte und deren Herstellung.

Die Taucher arbeiteten an den Bergungsmöglichkeiten unter spezifischen Umständen. Am Samstag rückten sie zu einer Übung im weiteren Umland aus.

Das Programm des Hauptveranstalters bot unter anderem auch Ausstellungen der verschiedensten Couleurs, von Foto, Gemälde und Virtual Reality bis zur Fledermausforschung und Höhlenforschungsergebnissen.

In den 3 Speleobars konnte man sich dem kulinarischen Genuss hingeben, in der größten sogar umrahmt von Live-Musik. Die italienischen Höhlenvereine boten hier Spezialitäten aus dem ganzen Land an. Für das leibliche Wohl der ECRA-Mitglieder sorgte der CNSAS.

An 2 Standorten konnte man sich bei rund 50 Anbietern umfangreich für die nächste Höhlentour eindecken. Auch eine Nähmaschine für sofortige Reparaturen zerschlissener Höhlenbekleidung durfte nicht fehlen.

In der Generalversammlung der ECRA führte Dinko Novosel durch den Rückblick über das vergangene Geschäftsjahr. Danach wurde die Erweiterung um eine neue Kommission beschlossen. Sie wird sich mit dem Thema Erweiterung von Engstellen in all ihren Facetten auseinandersetzen. Israel wurde als neues Mitglied herzlich willkommen geheißen. Israel hat eine engere Verbindung zur bulgarischen Höhlenrettung und wird von dieser in der Ausbildung unterstützt. Das nächste ECRA-Meeting soll in Istanbul stattfinden. In der Versammlung waren neben den Mitgliedern der ECRA auch Mitglieder einer zweiten polnischen Höhlenrettungsorganisation und Gäste aus Schweden und Griechenland anwesend.

Im Vorprogramm der ECRA-Abschlussveranstaltung wurden mehrere Kurzfilme von Höhlenrettungstauchübungen gezeigt. Meist war es kaum vorstellenbar, sich als Freiwilliger in der Trage zur Verfügung zu stellen. Im Hauptprogramm - das Kino war zum Bersten voll - führte uns der Brite Chris Jewell nach Thailand. Er war einer jener Höhlenrettungstaucher, die Anfang Juli dieses Jahres ein junges, 12-köpfiges Fußballteam samt Trainer aus der Tham Luang Nang Non Cave im Norden Thailands aus ihrer schier aussichtlosen Lage befreien konnten.

Wir erfuhren von den Schwierigkeiten, entsprechend anerkannt zu werden. Auch als Spezialist wird man nicht sofort durchgewinkt. Zunächst musste in einem naheliegenden Schwimmbad die Kompetenz unter Beweis gestellt werden, unter strenger Beobachtung durch die Behörden. Erst danach konnten die Taucher mit ihrer eigentliche Arbeit beginnen.

Nichts wurde dem Zufall überlassen. Um das Risiko während der Bergung möglichst gering zu halten, wurde unter anderem die Rettungsstrecke mit einfachsten Mitteln im Freien nachgestellt. Jeder einzelne Handgriff wurde vom Rettungsteam mehrmals geübt. Erst danach wurde mit der Bergung begonnen. 90 Minuten sollte der Tauchgang bis zu den Eingeschlossenen dauern und weitere zweieinhalb Stunden, um mit den Jungs wohlbehalten zurückzukehren. In den trockenen Passagen wartete jeweils ein Supportteam, das sich um die medizinische Versorgung kümmerte und den Transport zum nächsten Siphon übernahm. Glück im Unglück war wohl die Tatsache, dass nur geringe Tauchtiefen zurückzulegen waren. Noch einmal durften wir den Erfolg dieses bisher einzigartigen Einsatzes miterleben. Gratulation seitens ECRA an das erfolgreiche internationale Taucherteam rund um den Globus. Danke Chris für den äußerst beeindruckenden Abend.

Insgesamt wurden im Rahmen der ECRA 35 Veranstaltungen angeboten, meist in 3 parallelen Vortragslinien (siehe Programm: Text?).

Es wurden T-Shirts mit Event-spezifischem Logo angeboten, für die Höhlenretter ECRA-T-Shirts nur mit ECRA-Logo. Der erweiterte Vorstand wurde mit offizieller Bekleidung ausgestattet, mit blauen Softshell-Jacken mit ECRA-Logo.

Der Termin für das ECRA-Meeting 2019 wird rechtzeitig bekanntgegeben werden.

Ein herzliches Dankeschön an die quirligen KollegInnen des italienischen CNSAS für die Gastfreundschaft und die Organisation des wiederum gut besuchten ECRA-Meetings.

Bericht: Kurt Dennstedt / Generalsekretär der ECRA

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