ECRA-Meeting 2019, Baredine Jama, Istrien / Kroatien
14. - 17. November 2019

Wegen der Sicherheitswarnungen verschiedener europäischer Regierungen musste das diesjährige ECRA-Meeting kurzfristig von der Türkei nach Kroatien verlegt werden. Das war eine sehr undankbare Entscheidung, da bereits gebuchte Flüge verfallen würden.

Neuer Tagungsort war die Baredine-Höhle nahe Porec in Istrien, Kroatien. Der Besitzer, selbst Höhlenforscher, und seine Belegschaft haben uns wirklich gastfreundlich aufgenommen und kulinarisch bestens versorgt. Unmittelbar neben unserem Stützpunk, dem Restaurant, fiel man fast in den Eingangsschacht der Schauhöhle. Etwas abseits lag das Museum in einem Langhaus aus Stein. Hier fanden die Vorträge statt. Das Höhlenkletterzentrum Speleolit unmittelbar vor dem Museum wurde für die technischen Übungen genutzt. Von den kleinen Terrassen am Schachtrand konnten die Übungen gut verfolgt werden. Am Weg zurück zum Restaurant lag „Little Stonehenge“, eine Wiese mit kreisförmig angeordneten Felsblöcken, gut geeignet für die Tests diverser Kommunikationssysteme. Ebenfalls etwas abseits lag das benachbarte Traktor-Museums, der Tagungsbereich der Medizinischen Kommission.

Piskavica Höhle Geplant waren auch 2 Tage Vorexkursion. Wegen schwerer Unwetter ist der erste Tag ins Wasser gefallen. Die Tour in den Nationalpark Brijuni wurde am nächsten Tag, am 14. November nachgeholt. Der Abschluss dieser Tour führte noch nach Pula. Eine zweite Gruppe besuchte eine Schachthöhle und die dritte Gruppe die Piskavica Höhle im Flysch. Besonderheit dieser Höhle ist die Länge von etwa 1 km in einem Gestein, das normalerweise keine Höhlenbildung zulässt. Durch Initialfugen in einer dünnen Kalkplatte mit etwa 2,5m Höhe konnte Wasser eindringen und den Höhlengang darunter ausformen. Man steigt am oberen Ende der Höhle ein und wird über den gesamten Verlauf von einem Gerinne begleitet. Die Decke ist völlig eben und man hat den Eindruck sich durch ein baufälliges Gebäude zu bewegen. Der Querschnitt des meist aufrecht begehbaren Ganges variiert zwischen Kastenprofil, trapezförmigem Querschnitt und auf der Spitze stehendem Dreieck. Das Ende der Höhle ist durch ein allmähliches Absinken der Decke und längere Flachwasserabschnitte gekennzeichnet, bis einem die Motivation für ein weiteres Vordingen gänzlich verlässt. Etwa 500m nach dem Einstieg leuchteten 2 große Lichtquellen im Dunkeln auf, die Augen eines Marders, der die illustren Besucher dieses abgeschiedenen Fleckens Erde beäugte.

Am Freitag dem 15. November war der erste offizielle Tag der Veranstaltung, eröffnet durch Präsident Dinko NOVOSEL im würdigen Rahmen des Museums. Danach begann der technische Teil im Außenbereich mit dem Erfahrungsaustauch zu den diversen Kommunikationssystemen (dem italienischen Ermes und anderen Systemen) sowie der Gegengewichtsmethode.

Die medizinische Kommission zog sich ins Traktor-Museums zurück. Deren Ziel war die Überarbeitung des bestehenden Konsens-Papiers. Am Nachmittag gab es einen großen Block dem Europäischen Zivilschutz-Mechanismus und CaveSAR gewidmet, Moderation Maks MERELA / Slowenien.

Eddy CARTAYA, NCRC/USA berichtete eindrucksvoll über die Arbeit in den Lava- und Gletscherhöhlen Amerikas, z.B. am Mount St. Helens und am Mount Rainier, beide im Bundesstaat Washington. Für uns Europäer größtenteils neu waren die besonderen Gefahren und die Herausforderungen an Rettungsmaßnahmen und -mannschaften.

Am Abend wurde das Video „Zracak Nade – Ray of Hope“ gezeigt, eine Dokumentation einer kroatischen Höhlenrettungsübung mit Ausgangspunkt im Ucka-Straßentunnel in Istrien. Besondere Herausforderung war ein Übungsabschnitt zwischen zwei bis zu 35m langen Siphonen, ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit nach außen. Dem Opfer, einer höhlentechnisch sehr erfahrenen Kameradin, jedoch ohne jegliche Taucherfahrung, wird dieser Abschnitt als besonders Geschenk zum 54. Geburtstag sicher ewig in Erinnerung bleiben. Auch für die Retter am unteren Höhlenausgang wird diese Übung noch lange Gesprächsstoff bieten, vor allem da der Tauchabschnitt ein Mehrfaches der erwarteten Zeit gedauert hat.

Am Samstag setzte die medizinische Kommission ihre Arbeit fort. Die Gang-erweiterungskommission hat sich unter der Leitung von Werner ZAGLER eine Übersicht über die rechtliche Situation und die Ausbildung in den einzelnen Mitgliedsländern erarbeitet. Die Taucher trafen sich zu einem Workshop. Ein Tauchgang fiel diesmal dem schlechten Wetter und den daraus resultierenden Bedingungen zum Opfer.

Ein Team des CNSAS / Italien demonstrierte in der Schauhöhle ihr Frischluft-versorgungssystem, bestehend aus Kompressor an der Oberfläche und einem simplem Schlauch a là Plastiksackerl, Durchmesser etwa 25 cm, zur Einleitung der Frischluft.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag vom Andrew MUNOZ, ein Bericht inklusive Analyse einer Nahtoderfahrung, der er und sein Kumpel anlässlich einer Höhlentour in Britisch Kolumbien am 5. Dezember 2015 ausgesetzt waren. Andrew hatte diesen Vortrag bereits anlässlich der Eurospeleo 2018 in Ebensee gezeigt.

In der Generalversammlung am Samstagabend führte Präsident Dinko NOVOSEL durch den Jahresbericht. Der Kassabericht bestätigte die ordnungsgemäße Buchführung. Der Generalsekretär zeigte eine Übersicht über die Einnahmen/Ausgabensituation des vergangenen Geschäftsjahres. Dank der eingehobenen Mitgliedsbeiträge und der gleichzeitig wenigen Ausgaben fiel der Jahresabschluss wiederum deutlich positiv aus. Dinko NOVOSEL berichtete vom ICAR Meeting 2019 in Zakopane / Polen. Thema waren das Interesse der ICAR im Bereich Höhlenrettung bzw. wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Am Rande der Veranstaltung kam es auch zu einem Treffen mit Jan Kryztofek, dem Präsidenten von TOPR/Polen und weiteren Vertretern der Organisation. Auch hier ging es um das Ausloten einer möglichen Kooperation. Danach berichteten die Leiter der ECRA-Kommissionen von den Aktivitäten des vergangenen Geschäftsjahres,

Statutenkonform wurden die im Juli in einer außerordentlichen Generalversammlung aufgenommenen Mitglieder von der Generalversammlung bestätigt (ESOCAN/Spanien, GOPR/Polen, NCRC/USA). Danach wurden 3 weitere neue Mitglieder aufgenommen (NGRT/Norwegen und CRS/Tschechische Republik als ordentliche Mitglieder und FUCZ/Bosnien-Herzegowina als assoziiertes Mitglied), sodass der Mitgliedsstand auf 25 angewachsen ist.

Freitag und Samstag gab es auch die Möglichkeit die Baredine-Höhle mit Führung zu besuchen. Sie ist eine von rund 1500 meist schachtartigen Höhlen in Istrien. 5 Kammern führen in die Tiefe, bis der Schauhöhlenteil vor einem See endet. Hier findet sich auch ein kleines Becken mit 2 Grottenolmen.

Ein herzliches Dankeschön an das Team der kroatischen Höhlenrettung für die äußerst kurzfristige Organisation und Durchführung des gut besuchten ECRA-Meetings.

Weiterführende Links:

• Jama Baredine baredine.com
• Speleolit Höhlenkletterzentrum speleolit.com
• ECRA Homepage caverescue.eu
• ECRA Facebook facebook.com/ECRA.rescue
• Unfall Munoz 2015, Kanada Google Search: Andrew Munoz accident 2015
• Zracak Nade – Ray of Hope
   Rescue Exercise, Croatia
youtube.com/watch?v=IZZiwh0w6so, 33min

Bericht: Kurt Dennstedt / Generalsekretär der ECRA
Foto: Werner Zagler / Vorsitzender der Passage Enlargement Commission der ECRA

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