Sicherheitsrichtlinien für Höhlenbefahrungen

Sicherheitsrichtlinien für Höhlenbefahrungen

● Richtige Planung und Auswahl des Tourenziels
─ Gehe niemals allein in eine Höhle! Gute Ausrüstung, Kondition und entsprechende Erfahrung sind Grundvoraussetzungen für gelungene Höhlentouren.

─ Für lange und/oder schwierige Touren soll die Gruppe aus mindestens drei Personen bestehen. Im Notfall bleibt eine Person beim Verletzten und eine holt Hilfe.

─ Besorge dir Unterlagen: z.B. Landkarten, Höhlenpläne, Zugangsbeschreibungen, etc.

─ Informiere dich bei Personen, die die Höhle oder den Zustieg bereits kennen. Für manche Zustiege bzw. Höhleneinstiege ist die Einholung einer Erlaubnis vom Grundstückseigentümer erforderlich.

● Zeitplanung
─ Was ist der Zweck der Tour? Besichtigen, Fotografieren, Forschen, eine Vereinsfahrt, Vermessung, Vorbereitung zu einer längeren Forschung. Danach richtet sich die Zeitplanung.

─ Richte das Ziel und die Tourenlänge nach dem konditionell schwächsten Teilnehmer der Gruppe aus.

─ Überschätze nie die Kondition der Gruppe bzw. die eigene. Plane Kraftreserven für unvorhersehbare Schwierigkeiten oder Verzögerungen ein.

─ Bei nicht bekannten Zustiegen plane genügend Zeit für die Suche nach dem Höhleneingang ein.

─ Kalkuliere genügend Zeitreserve ein:

─ größere Gruppen brauchen um vieles länger als 2-3 Personen.

─ der Aufstieg aus Schachthöhlen ist oft deutlich mühsamer als man meint, besonders bei größeren Gruppen.

─ plane für die Heimreise müdigkeitsbedingte Pausen ein.

─ plane verkehrsbedingte Verzögerungen bei An- und Abfahrt ein.

Lege zusätzlich die Alarmzeit fest:

─ Wähle einen vernünftigen Kompromiss zwischen genügend Sicherheitspolster für harmlose Verzögerungen und rechtzeitiger Alarmierung im Ernstfall.

─ Kalkuliere schlechten Handyempfang im Gelände mit ein!

● Wetter
─ Beobachte die Wetterentwicklung und hole kurz vor der Tour nochmals den aktuellen Wetterbericht ein (z.B. www.zamg.ac.at).

─ Gewitter, Nebel, Wintereinbruch und Schnee können Orientierung und Vorwärtskommen im Gelände erheblich erschweren.

─ Ein Schlechtwettereinbruch kann die gesamte Tour gefährden oder den Rückweg verhindern! (z.B. Wassereinbruch in der Höhle nach einem Gewitter). Besondere Vorsicht ist daher bei hochwassergefährdeten Höhlen geboten!

● Ausrüstung
Überprüfe rechtzeitig vor einer Tour: Funktion und Vollständigkeit deiner Ausrüstung:

─ Anseilgurt und Selbstsicherung auf Scheuerstellen und aufgerissene Nähte.

─ Steigklemmen, Abseilgerät und Karabiner auf Beschädigung, Abnützung bzw. Leichtgängigkeit.

─ Stirnlampe auf Funktionstüchtigkeit (Reservebatterien, Reserve Akku).

─ mindestens eine, besser zwei Ersatzlampen mitnehmen.

─ Seile auf Scheuerstellen und Mantelbeschädigungen.

─ Notfallapotheke mit Verbandsmaterial auf Inhalt, Ablaufdatum und Verwendbarkeit.

─ Verpflegung und Getränke.

● Notfallapotheke
Jeder Teilnehmer hat seine eigene Alu-Rettungsdecke mit. Der Schutz vor Unterkühlung ist im Ernstfall besonders wichtig. Darüber hinaus ist zu empfehlen, dass jeder über seine eigene Notfallapotheke verfügt. Diese wird wasser- und stoßfest verpackt und soll mindestens beinhalten:

─ Alu-Rettungsdecke

─ Einmalhandschuhe

─ Verbandsmaterial (Mullbinden, Wundauflagen, Pflaster…)

─ Dreiecktuch ev. SamSplint (zur Schienung bzw. Stabilisierung)

─ Wärmeversorgung (z.B. Ready-Heat Produkte in verschiedenen Größen)

─ Schere, Messer

● Alarmzeit deponieren (WO unterwegs? WANN zurück?)
Der wohl wichtigste Punkt wird oft vernachlässigt. Hinterlege bei einer Person deines Vertrauens folgende Daten:

─ Welche Höhle(n) besuchen wir? Name der Höhle, Ortsangabe, Katasternummer, Berg, GPS Koordinaten…

─ Von welchem Ausgangspunkt beginnt unsere Tour? Ortschaft, Parkplatz, wo steht unser Fahrzeug, Kennzeichen bei Vermisstensuche hilfreich.

─ Wann melden wir uns spätestens zurück? Beachte bei Mehrtagestouren Zeit und Datum (bei Zeitangaben z.B. 15:00 Uhr verwenden und nicht 3 Uhr).

─ Lege eine Alarmzeit fest, bei deren Überschreiten die Höhlenrettung alarmiert wird – Alpinnotruf 140. Eine vernünftige Alarmzeit beinhaltet auch, dass Rettungskräfte zwischen 23:00 und 06:00 Uhr wahrscheinlich schlafen. Also lege die Alarmzeit vor 23:00 oder ab 06:00 Uhr fest.

─ Wo werden wir uns in der Höhle aufhalten? Höhlenteil, Etage…

─ Mit wem gehe ich auf Tour? Personenanzahl, Namen

● In der Höhle
─ Bevor du einsteigst mache einen Partnercheck (Ausrüstung, Anseilgurt…)

─ Verliere nie die Orientierung in der Höhle. Blicke immer wieder mal zurück, um den Rückweg leichter zu finden. Präge dir an neuralgischen Punkten den Raum mit
der richtigen Abzweigung ein.

─ Besondere Aufmerksamkeit gilt der Steinschlaggefahr:

─ Räume beim Schachtrand alles lose Gestein beiseite, bevor Material eingebaut wird oder jemand in den Gefahrenbereich einsteigt. Achte auf Seilschlingen, die bei Bewegung Steinschlag auslösen könnten.

─ Achte auf genügend Flüssigkeitszufuhr. Pausen mit warmen Mahlzeiten oder heißem Tee sind besondere Kraftspender.

─ Achte während der Befahrung bei deinen Kameraden und dir selbst auf Anzeichen von Müdigkeit, Erschöpfung, Überforderung und Unterkühlung.

─ Solltest Du oder einer deiner Begleiter einer Tour doch nicht gewachsen sein, kehrt rechtzeitig um.

Sobald Kondition oder Befahrungstechnik verbessert sind, könnt ihr euch wieder an diese Tour heranwagen.

─ Beginnt rechtzeitig mit dem Rückweg, besonders bei ausgedehnten Engstellen und Schachthöhlen.

─ Im Notfall (Unfall, Verletzung) bleibt eine Person beim Verletzten und eine holt Hilfe.

● Ende der Tour
─ Melde dich nach dem Verlassen der Höhle sobald wie möglich zurück, um eine Fehlalarmierung der Rettungskräfte zu vermeiden.

● Autofahrt – der Weg nach Hause
─ Müdigkeit ist bei Tagestouren ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor!

─ Darum merke: ein müder Autofahrer ist ein schlechter Autofahrer!

─ Plane Pausen ein und/oder gönne dir zwischendurch eine halbe Stunde Schlaf. Deine Mitfahrer, Familie, Freundin oder Freund wissen eine vernünftige Entscheidung zu schätzen.

─ Die Tour ist erst zu Ende, wenn wir zuhause angekommen sind!

(Quelle: Erich Hofmann)