Internationales Höhlentauchtraining Valstagna / Italien
8. - 10. April 2019


Am 8. April war es soweit - ein mit 2 Wochen Vorlaufzeit relativ kurzfristig angekündigtes internationales Höhlentauchtraining unter Schirmherrschaft der italienischen Höhlenrettung fand in Valstagna, Italien statt. Mit von der Partie waren natürlich die Organisatoren aus Italien, einige Kameraden aus Slowenien, Kroatien und Serbien, sowie die mannschaftsschwächste, dafür aber moralisch überlegene Delegation aus Österreich mit den Vertretern Josef Schützenhofer, Günther Faul und meiner Wenigkeit - dem Autor dieser literaturpreisverdächtigen Zeilen.

Text? Der Treffpunkt war schon am Freitag Nachmittag und wurde mit einem Videovortrag über die Verwendung diverser Tragenmodelle beim Durchschleusen von Tauchern durch Siphons begonnen. Hierbei konnten die Teilnehmer erstmals die leichten Differenzen von Planung und Ausführung, oder andersausgedrückt: "die, der Motivation hinterherhinkende italienische Gemütlichkeit" erleben. Den Ausklang des ersten Abends machte ein gemütliches Essen in einem ortsständigen Ristorante mit einheimischen Spezialitäten. Da ich selbst aus beruflichen Gründen erst hier einsteigen konnte, ist die bisherige Schilderung den Augenzeugenberichten der übrigen Teilnehmer zu verdanken.

Die Nächte wurden in einem sehr gepflegten Raftingcamp direkt in Valstagna verbracht und raubten Günter durch liebestolle Geräusche der Hausherrin, welche einer Lüftungsöffnung direkt oberhalb seines Kopfteiles entströmten, den Schlaf. Uns hingegen, welche hiervon nichts bemerkten, gereichten eben diese Erzählungen am folgenden Morgen zu herzhaftem Lachen.

Das Frühstück zeichnete sich durch ein reichhaltiges Buffet diverser Mehlspeisen aus. Die unseren Landes übliche herzhafte Abteilung, sowie dunkles Brot, ja sogar semmelähnliches Gebäck wurde jedoch vergeblich gesucht.

Trotz allem verlautbarte Stefano, der Trainingsleiter, dass wir direkt nach dem Frühstück starten wollten, um unser Pensum zu schaffen…

…nicht jedoch ohne uns zuvor im Cafe Central einen Espresso zu gönnen ;-)))

Text? Das Tor an der Einfahrt zur Vecci war leider versperrt, die Schlüsselmeisterin jedoch sogleich verständigt und auf dem Weg zu uns. Die Dame hatte scheinbar einen längeren Anfahrtsweg, da ihr Eintreffen erst eine halbe Stunde später erfolgte. Schließlich konnten wir jedoch, einer Karawane gleich in das Gelände einfahren und auf dem großzügig bemessenen Rasenplatz parken um dort auch unsere Ausrüstung tauchfertig zu machen. Anschließend gab es eine äußerst detaillierte Einweisung in die Verwendung des Cat-Transportsystems. Als Trage an Land bzw. über Trockenstrecken zwischen Siphonen kann dieses nicht verwendet werden. Im Wasser selbst ist es jedoch sehr gut und für den zu Schleusenden komfortabel einsetzbar und verfügt über ausreichend Schlaufen, um extra hierfür konfigurierte Flaschen und Regler zu montieren. Im Zuge dessen wurde ausführlich über mögliche Verbesserungen des Gesamtsystems diskutiert. Man muss den Kameraden aus Italien zu Gute halten, dass schon einiges an Hirnschmalz in die Konstruktion geflossen ist.

Als auch dieser Programmpunkt abgehakt war, folgte der Transport der Ausrüstung ans Wasser, was mit einem ca. 2 minütigen Fußmarsch verbunden war, insgesamt jedoch deutlich über eine Stunde dauerte bis alle ihre Siebensachen soweit hatten. Am Wasser selbst wurden wir in Gruppen eingeteilt. Der Verletzte wurde von Stefano gemimt, was zweierlei sinnvoll war: erstens musste er die Handhabung des Transportsystems nicht noch üben und konnte zweitens am eigenen Leib erfühlen und beobachten wo Schwachstellen des jeweiligen Bergeabschnittes oder Retters waren. Aufgrund eines Bandschiebenvorfalls musste ein Kamerad aus Serbien die Tauchgänge leider auslassen.

Die Aufgabenstellung war nun, eine verunfallten Taucher mit der Annahme einer Wirbelsäulenversetzung auf das Transportsystem zu schnallen und entlang einer Leine ca. 100m durch einen fiktiven Siphon bei maximal 18m Tauchtiefe zu schleusen. Hierbei galt es den Kontakt zum Patienten sowie der Leine, aber auch die Tarierung nicht außer Acht zu lassen. Jede Aufgabe wurde von einem Taucher erfüllt. Ein Retter fungierte jeweils als "Zugpferd". Die Aufgaben wurden durchgetauscht und nach jedem Transport erfolgte direkt die Kritik von Stefano und Alberto, dem Ausbildungsleiter der italienischen Rettungstaucher - positiv wie negativ. Wobei vorweggenommen werden kann, dass es zu keinen groben Schnitzern kam und lediglich an Feinheiten gefeilt werden musste. Nach allen absolvierten Durchgängen war freies Tauchen angesagt und nachdem ich am Folgetag in die Fontanazzi schauen wollte und schon einmal hier war, habe ich noch einen kleinen Lusttauchgang angehängt.

Da die Zeit schon fortgeschritten war und keine weiteren Trainingspunkte mehr auf dem Programm standen, ging es nach Abtransport und Verstauen der Ausrüstung ab zum Abendessen im Zentrum der 1800-Seelengemeinde. Feine italienische Küche und das eine oder andere Gläschen Wein erwarteten die Teilnehmer und der Abend klang gemütlich bei Erzählungen der einen oder anderen Heldentat, sowie den noch viel lustigeren Hoppalas über die man in so einem Taucherleben stolpert aus.

Nach einem sonntäglichen Frühstück gab es ein offizielles Debriefing, in dem nochmals ein reger Austausch stattfand, sowie eine Verabschiedung nicht ohne einander zu versichern, dass wieder gemeinsam getaucht und trainiert werden müsste.

Ab hier zerstreute sich die Gruppe, ein Teil trat die Heimreise an und der andere verteilte sich auf die betauchbaren Höhlen des Ortes.

Abschließend möchte ich sagen, dass es ein sehr interessantes Wochenende mit einigen Inputs und neuen Freunden war.

Bericht: Dr. Martin Göksu / NÖHR
Fotos: Josef Schützenhofer / K

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